Verantwortung gegenüber anderen

image_pdfimage_print

Gleich zum Anfang des Jahres kam ich für ein paar Tage in eine Klinik.
Kein guter Start, aber sowas sucht man sich ja leider nicht aus…
Zu meinem Leidwesen lag ich in einem 4-Bett-Zimmer.
Es war die reinste Katastrophe! :H

Aber hey… immerhin bekam ich einen hübschen rosa-pink-roten Mädchen-Zugang gelegt. :-)

 

Was ich aber eigentlich erzählen möchte:
Zwei meiner „Mitgefangenen“ hatten Diabetes, und ihre Blutzuckerwerte waren ständig zu hoch.
3 x am Tag wurde ihnen Insulin verabreicht und die Dosis wurde ein paar Mal nach oben hin angepasst.

Die eine der beiden Diabetikerinnen war in einem sehr fortgeschrittenen Alter und bettlägerig. Man konnte die Dame nicht ansprechen. Sie begann sofort ängstlich zu schreien.

Die Andere war etwa um die 50 Jahre und einigermaßen stark übergewichtig. Und sie hatte offensichtlich Probleme.
Ich konnte sie z. B. beobachten, als sie sich ihre Socken anzog. Dabei saß sie auf ihrer Bettkante, schob ihren Körper erst auf die rechte Seite, hob ihr Bein aufs Bett um sich die Socke überzustreifen, verlagerte dann ihr Gewicht auf die andere Seite, um das gleiche Spiel mit dem anderen Bein zu wiederholen. Sie hätte sich die Socken gar nicht normal anziehen können, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren.
Auch das Aufheben von Dingen die auf dem Boden lagen, fiel ihr sichtlich schwer. Ein Mal ist sie fast vorn über gekippt. Sie sagte nur „ai“ und lachte.

In diesem Moment habe ich überlegt, ob ich als inzwischen „Besserwissende“ nicht ein Stück weit in der Verantwortung bin, andere darüber zu informieren, wie sie ihre Diabetes oder ihr Übergewicht in den Griff kriegen können. Sollte ich ihr ein paar Tipps geben?
Die Entscheidung wurde mir abgenommen, denn die Frau sprach unsere Sprache nicht.

Nun könnte man denken, damit sei das Thema abgeschlossen.
War es aber nicht.

Diese Frau war permanent am Essen.
Neben den 3 Krankenhausmahlzeiten hatte sie noch zig Boxen und Tüten mit Lebensmitteln bei sich, aus denen sie sich ständig bediente. Und ihre Besucher versorgten sie täglich mit Futternachschub.

Wieder kam mir der Gedanke diese Frau aufklären zu müssen…
Und ich fragte mich, warum die Ärzte und Schwestern dieser Krankheit nicht inzwischen ganz anders begegnen. Sie müssten doch eigentlich wissen, wie der Blutzucker im Zaum zu halten ist, ohne ständig die Insulindosis zu erhöhen.
Ich dachte in Richtung der Ärzte: „Hallo!? Schon mal etwas von LCHF gehört??“
Am liebsten hätte ich es laut ausgesprochen, aber ich habe es mir verkniffen.

Und dann kam aber ein Moment, in dem ich ein richtig schlechtes Gewissen bekam.

Wir erhielten unser Frühstück.
Abgesehen davon, dass ich keinen Hunger hatte, weil es mir nicht gut ging, hatte ich auch noch beschlossen mich im Krankenhaus LCHF-konform zu ernähren, darum kamen die Brötchen auf meinem Tablett für mich nicht in Frage.
Ich sah aber, wie meine Nachbarin gierig ihre 2 Brötchen verschlang. Ruck zuck war ihr Teller leer. Daraufhin bot ich ihr meine Brötchen an, die sie natürlich sofort dankend annahm. Ich dachte, bevor sie weggeworfen werden, gebe ich sie lieber jemandem der Hunger hat.
Ich hatte es eigentlich nur gut gemeint.

Doch dann kam der Moment wo ich mich fragte, ob das richtig von mir war.
Habe ich anderen Menschen gegenüber nicht eine bestimmte Verantwortung? Erst recht, wenn ich weiß, dass sie an Diabetes erkrankt sind?

Einerseits tun diese Leute mir leid und ich möchte sie am liebsten über das Thema Ernährung aufklären (wie in diesem Beitrag) und andererseits trage ich aber dazu bei, dass sie Dinge in sich hinein schaufeln, die nicht gut für sie sind? Bin ich denn bekloppt?

Doch nach einigem Grübeln habe ich dann beschlossen kein schlechtes Gewissen mehr haben zu wollen und führte mir vor Augen, dass sie so oder so gegessen hätte. Wenn nicht meine Brötchen, dann eben von ihrem unerschöpflichen Vorrat.
Sie hätte ja auch ganz einfach ablehnen können. Hat sie aber nicht.
Diese Verantwortung muss sie als erwachsene Frau für sich selbst übernehmen.

Dennoch bleibt für mich am Ende die Frage, ob ich nicht doch auch eine gewisse Mitverantwortung für meine Mitmenschen habe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*